Schussfestigkeit beim Aussie

 2017: Wesensrichter-Kurs: „genetische und züchterische Aspekte von Wesen und Verhalten beim Hund“ mit Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur

 

Ich habe Frau Prof. Dr. Sommerfeld in der Pause des Seminars ein paar Fragen über das Thema Schuss an der Körung gestellt.

 

Ihre Antworten über dieses Thema waren folgende:

 

Schussfestigkeit an der Wesensprüfung kann sinnvoll sein, jedoch ist die Heritabilität fragwürdig!

 

Falls der Schuss an einer Wesensprüfung geprüft wird, sollte man auch, über längere Zeit Studien mit denen Hunden betreiben, die nicht schussfest waren, um zu ermitteln, ob und wie oft sich das auf deren Nachkommen auswirkt. Allein einen Hund wegen „nicht Schussfestigkeit“ aus der Zucht zu streichen befürwortet sie nicht.

Der Grund ist: Es gibt keinerlei Studien zu diesem Thema! Schussangst – Vererbbarkeit auf Nachkommen.  

 

Meine Recherchen und Gedanken:

-In keinem der ausl. Aussieclubs wird eine Schussfestigkeit an der Wesensprüfung, falls überhaupt eine Wesensbeurteilung stattfindet, geprüft.

 

Die meisten schweiz. Züchter fahren jedoch ins Ausland zum Decken.

 

Wie kann man wirklich wissen, ob man einen schussfesten Rüden aus  „schussfester Abstammung“ gewählt hat? 

 

-Bei „Tragend importierte Hündinnen“, welche keinen Wesenstest nach ASCS ZR benötigen, könnten prinzipiell auch, aus irgendwelchen Gründen, nicht schussfest sein.

 

Trotzdem wird das in Kauf genommen.

  

- Wenn es Hunde gibt, die schon mit 18 Monaten (neues ZRASCS 2018) an der Körung teilnehmen, kann es sein, dass sich eine Schussangst noch nicht ausgeprägt zeigt.

 

Nach Studien zufolge manifestiert sich eine Schussangst erst nach dem 2. Lebensjahr.

  

 

Rassentypische Verhaltens- und Hormonprobleme beim britischen Hütehund 

 

 Feinfühlige Britische Hütehunde

  

Viele Hunderassen zeigen im Umgang mit dem Menschen eine Reihe von Verhaltensauffälligkeiten, die leichter verständlich werden, wenn man sich die Verwendung der jeweiligen Rasse in ihrer früheren Arbeitsgeschichte vor Augen führt. Viele Verhaltenweisen, die einen Hund zu einem guten Arbeitshund gemacht haben, sind im Alltag eines Familienhundes störend bzw. schwierig. Vielfach werden diese Verhaltenseigenschaften auch durch Botenstoffe im Gehirn, Hormone und andere innere Faktoren beeinflusst. Lesen Sie heute über die Besonderheiten der britischen Hütehunde.

 

 Text: Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck

  

 

Entstehung und Unterschiede

  

Die Gruppe der britischen Hütehunde enthält eine Reihe von Hunderassen, die in ihrem Aussehen und ihrer ursprünglichen Tätigkeit durchaus ähnlich waren bzw. sind. Da es auf den Britischen Inseln schon seit sehr langer Zeit keine grossen Beutegreifer wie etwa Bären oder Wölfe mehr gibt, waren die Schäfer und Viehzüchter in diesen Ländern nicht gezwungen, Hunde zu züchten, die das Vieh auch gegen Raubtiere beschützen sollten. Sie konnten sich also darauf konzentrieren, Arbeitshunde zu schaffen, die beim Treiben, Hüten und gegebenenfalls Teilen der Herde behilflich waren. Die Herden waren auch lange Zeit ohne Schäfer alleine auf den Wiesen unterwegs. Dafür brauchte man selbstständige Hunde.

  

 

Zugleich war das sprichwörtliche, oft neblig-trübe Wetter mit ursächlich für eine Reihe von wichtigen Eigenschaften der dort arbeitenden Hunde. Zum einen mussten sie auch über grössere Distanz gut sichtbar sein, und bei solchem Wetter fällt ein gescheckter Hund eben mehr auf als ein einfarbiger. Andererseits mussten sie, zumindest bei schlechtem Wetter, auch über grössere Distanzen rein durch Pfiffe oder andere Laute seitens des Schäfers dirigierbar sein. Daraus entstand eine sehr hohe Geräuschempfindlichkeit. Diese wiederum ist bereits eines der Probleme, das bei britischen Hütehunden sehr oft auftritt. Sie wird noch verstärkt durch eine leichte sogenannte subklinische (leicht verlaufende) Schilddrüsenunterfunktionen. In einer neueren Studie an der tiermedizinischen Fakultät der Universität München konnte gezeigt werden, dass bei Bearded Collies selbst ohne eine medizinisch auffallende Schilddrüsenunterfunktion die Gabe von Schilddrüsenhormon wesentlich dazu beitrug, Geräuschangst und übermässige Geräuschempfindlichkeit zu dämpfen.

 

 

 

Das Rasseportrait Australian Shepherd von easy dogs ist ebenfalls ein sehr interessanter Rassebeschrieb.

 

 

 

 

Easy Dogs Rasseportrait

 

 

verfasst von Dr. Ute Blaschke-Berthold, Bettina Bernhardt und Fabienne Fust

 

 

Der Australian Shepherd

 

 

 

 

 

 

 

Dr. rer. nat. Ute Blaschke-Berthold, Dipl. Biologin, ist Trainerin und Verhaltens-therapeutin. Nach der Grün-dung einer Kyno-Praxis für Verhaltenstherapie entstand aus der Praxis heraus die CumCane Hundeschule.

 

 

 

 

 

 

Dr. Ute Blaschke-Berthold gibt ihr Wissen als Dozentin in ihrer eigenen und an verschiedenen bekannten Ausbildungsstätten an Hundetrainer sowie im Rahmen von Seminaren an Hundehalter weiter. www.cumcane.de

 

 

Portraits können entsprechend der gewählten Perspek-tive sehr verschieden ausfallen. Aus welcher Perspektive könnte wohl ein Rasseportrait über den Australian Shepherd geschrieben werden? Die Hunde, die mich in meinem Leben begleiten, sind zwar Vertreter der „Hüterlis" (Hütehunde), aber keine Aussies. Mit der Perspektive der Bezugsperson eines Aussies kann ich also nicht dienen. Deswegen lasse ich andere zu Wort kommen, zwei Menschen, die mit Australian Shepherds leben:

 

Bettina Bernhardt ist Diplom-Biologin, arbeitet in ihrer eigenen Hundeschule und lebt mit drei Hunden zusammen: Sheela, eine im Juli 2005 geborene Aussie-DSH (=Deutscher Schäferhund)-Mixhündin; Lucky, im Januar 2007 geborener Australian Shepherd Rüde, und Australian Cattle Dog Hündin Pepper. Mehr Informationen über Bettina: www.clickerido.de/ueber.html

 

Fabienne Fust ist Tierärztin, diplomierte Verhaltensmedizinerin, pcf zertifizierte Trai-nerin. Sie teilt ihr Leben mit ihren 3 Aus-tralian Shepherds Hündinnen Chazy und deren Töchtern Lucy und Kimmy. Mehr Infor-mationen über Fabienne:

 

 

 

 

 

www.charmingchazy-aussies.ch/über-mich

 

 

 

 

 

Aus der Perspektive der Trainerin mit den Schwerpunk-ten Angst- und Aggressionsverhalten würde ein düsteres und mit Sicherheit stark verzerrtes Rasseportät des Aussies gezeichnet werden. Nein, dies ist nicht die Perspektive, die den Hunden gerecht wird. Aber auch das Gegenteil, die Perspektive des Züchters liefert ein stark verzerrtes Bild. Schließlich möchte ein Züchter seine Welpen auch verkaufen können – natürlich nur in beste Hände. Gerecht wird der bunten Vielfalt des Australian Shepherds eine ebenso vielfältige Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven. Bunte Vielfalt? Ja! Denn Aussies sind nicht nur von außen bunt, sondern überraschen durch sehr unterschiedliche Persönlich-keiten.

 

 

 

 

Aus anderen Quellen:

 

 

Der Australian Shepherd (...) Einige Linien sind sehr talentiert und zeigen ausdauerndes Interesse daran, an der Herde zu arbeiten. Andere wiederum sind leicht ablenkbar. Die Ausbildung muss dem Individuum angepasst werden, von ruhig und fest bis sehr leicht und ermutigend.

 

 

(Übersetzt aus: Herding Dogs von Vergil S. Holland, 1994)

 

 

Theoretisch beschreibt der Rassestan-dard das ideale Verhalten des Aussies. In der Realität aber spielt der Aussie auf der gesamten Skala der verschiedenen Persönlichkeiten, und die genetische Lotterie produziert robuste, ängstliche, schüchterne, lethargische, kesse, mürri-sche und gereizte Aussies.

 

 

(Übersetzt aus: The Australian Shepherd von Tracy Libby, 2007)

 

 

Perspektive 1 —

 

Die Geschichte der Rasse

 

 

Jedes Buch über eine beliebige Rasse beginnt bei "Adam und Eva", also bei der Entstehung dieser Rasse.

 

Allerdings sind in den meisten Fällen die Geschichten um die Geschichte einer modernen Rasse ebenso wenig verbürgt

 

 

 

 

 

 

 

wie die Erzählung von Adam und Eva. Dies gilt auch für die Rasse des Austra-lian Shepherds.

 

 

Sicher ist, dass diese Rasse in den Formenkreis der Collies (im weiteren Sinne) gehört, ihre Form und Funktion in Nordamerika erhalten hat und auch heute noch sehr unterschiedlich aus-sehen kann. Sowohl im Ursprungsland als auch in Europa werden heute die meisten Aussies als Begleiter für Alltag und Sport gehalten, viel seltener da-gegen als Arbeitshunde an anderen Tieren. Dementsprechend kommen heute die meisten Aussies aus Zuchten, die sich an einem festgelegten Standard orientieren. Ein Standard und seine Variationen können hier nachgeschlagen werden: http://www.casd-aussies.de/rasse/der-aussie/der-fci-standard.htm

 

 

 

http://www.ascdev.de/

 

 

 

 

Wie in allen Standards der Zucht von Rassehunden werden körperliche Details nachvollziehbar und messbar beschrie-ben, während Merkmale des Verhaltens mit einigen wenigen Schlagworten in einem einzigen Abschnitt erwähnt wer-den. Das ist schade, denn wir Menschen leben nicht mit einer hübschen Hülle,

 

 

 

sondern mit einem lebendigen Hund, der sich in jeder Minute seines Lebens ver-hält. Dieses Verhalten ist bei weitem interessanter, vielfältiger, beglückender und manchmal auch belastender als Äußerlichkeiten.

 

Zum Nachdenken

 

 

 

Ein Rassestandard beschreibt das Ideal-bild eines Vertreters dieser Rasse. Er-klärtes Ziel eines Standards: die Hunde sollen so erhalten bleiben, dass sie ihre ursprüngliche Funktion ausüben könnten.

 

Allerdings werden Hunde für die Arbeit niemals nach einem Standard gezüchtet, sondern nur nach ihrer Funktion. Ein Standard wird immer erst dann erstellt, wenn Enthusiasten und Liebhaber sich zusammenschließen, um etwas zu erhalten, dessen Tage gezählt sind.

 

Das Verhalten von Hunden einer definier-baren Rasse wird gerne aus ihrer Rasse-geschichte heraus erklärt. Viele Halter einer bestimmten Rasse sind regelrecht stolz auf die Geschichte, auf den ursprünglichen Verwendungszweck und die dadurch resultierenden Eigenschaf-ten der Vorfahren ihres Vierbeiners. Irgendwie spielen für Menschen

 

 

 

 

 

 

Abstammung und Verwendung immer wieder eine besondere Rolle. Interessant ist Geschichte sicherlich, aber was können wir nun tatsächlich mit der Geschichte einer Rasse anfangen?

 

 

 

 

Die Geschichte einer Rasse beschreibt die Selektion auf bestimmte Eigenschaften in einer bestimmten Umwelt; beide sind bereits Vergangenheit.

 

 

Ein immer wieder eindrückliches Beispiel ist der Pudel. Verblüfft ein Pudel seine Bezugsperson durch Jagdleidenschaft, so wird oft zitiert: der Pudel ist einmal ein Jagdhund gewesen. Lang, lang ist es her. Vielleicht aber zeigt dieser Pudel einfach nur Hundeverhalten? Um hinter Wild her zu rennen braucht es keinen speziellen Jagdhund. Eher braucht es schon spezielle Hunde, um bewegte Objekte nicht zu verfolgen.

 

 

 

 

Natürlich ist auch der Australian Shepherd ein gutes Beispiel. Viele Indivi-duen innerhalb dieser Rasse zeigen nur wenig Interesse an fremden Menschen - solange diese Abstand halten, den Hund nicht anschauen, ansprechen oder gar anfassen. Zeigen fremde Menschen dem Aussie gegenüber Interesse, wehren nicht wenige Rassevertreter dieses Ver-halten ab: sie reagieren meidend, drohend oder aggressiv. Typisch Aussie, oder? Schließlich haben sie als Hunde, die an Herden arbeiteten, auch eine gewisse Schutzfunktion. Es ist also die Rassegeschichte, die das aktuelle Ver-halten der Hunde erklären soll. Gibt es vielleicht noch eine andere Erklärungs-möglichkeit? Nun, Misstrauen gegenüber fremden Artgenossen und fremden Menschen, Vorsicht gegenüber allem, was in gewohnter Umgebung fremd ist, ist für alle Tiere biologisch normal. Auch für den Menschen. Fremd bedeutet po-tenziell gefährlich, noch nicht einschätz-bar! Ein Aussie, der fremden Menschen gegenüber zurückhaltend oder abweh-rend reagiert, zeigt hundliches Normal-verhalten – wie so viele andere Hunde vieler anderer Rassen mit anderer Geschichte auch. Ein Aussie, der einen Passanten verbellt, weil dieser ihn anfas-sen wollte, reagiert typisch hundlich, ohne dass die Geschichte der Rasse bemüht werden müsste.

 

Der Rückgriff auf die Geschichte der Rasse zur Erklärung unliebsamen Ver-haltens ist natürlich bequem, denn wer kann schon Geschichte verändern?! Aus dem Fokus geraten dabei diejenigen, die für das Erscheinungsbild der Hunde im Hier und Jetzt verantwortlich sind: Zucht-verbände und jeder einzelne Züchter.

 

 

 

 

Australian Shepherds sind wunderschöne Hunde, die durch ihr Aussehen nur selten Furcht bei Menschen auslösen. Mittelgroß mit hübschen Köpfen, in der Regel ohne ausgeprägte Stehohren, mit kuscheligem Fell, aparten Farben und Mustern, auffallen-den Augen – ein Aussie ist ein echter Hin-gucker! Und genau das wird oft zum Problem. In der Zucht wird nicht darauf hin gearbeitet, dass die Hunde dieses Interesse gut vertragen. Für Hunde, die auf Fremde mit Zurückhaltung reagieren, wird Interesse in Form von langem Blickkontakt sehr schnell zur Bedrohung. Zur Erziehung eines Aussie gehört deswegen unbedingt der Aufbau ei-ner festen Verhaltensstrategie: Menschen, die glotzen, bedeuten etwas Gutes von, mit und bei der Bezugsperson. Geschichte hin, Geschichte her, jeder einzelne Hund muss im Hier und Heute zurechtkommen können.

 

 

 

Kenth Svartberg hat im Rahmen eines Forschungsprojektes in Schweden unter-sucht, ob und welche Zusammenhänge zwischen dem Verhalten von Hunden verschiedener Rassen und Rassegrup-pen und ihrer Rassegeschichte beste-hen. In seiner Auswertung mehrerer tausend Prüfungsberichte des Schwedi-schen Rassehund-Zuchtverbandes ist auch der Australian Shepherd berück-sichtigt.

 

In seiner Arbeit geht es in erster Linie um die rassetypische Verteilung folgender Persönlichkeitsmerkmale: Neugier in potenziell furchtauslösenden Situationen, Interesse an fremden Menschen, Spiel-freude und Aggressivität. Dies sind Dimensionen der Persönlichkeit, die bei allen Tieren, also auch bei allen Hunden untersucht werden können.

 

Das Resultat

 

dieser Forschungsarbeit

 

 

 

 

Alle untersuchten Rassen unterscheiden sich untereinander stark in der Aus-prägung dieser vier Persönlichkeitsmerk-male. Aber auch innerhalb einer jeden Rasse gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Individuen. Weiterhin konnte kein Zusammenhang hergestellt werden zwischen den typischen Persönlichkeitsmerkmalen für eine Rasse und ihrer Herkunft. Die aktuelle Selektion besonders durch das Ausstellungswesen wirkt stärker verän-dernd als allgemein gedacht.

 

 

 

 

 

 

Eine Rasse ist kein Museum. Von Generation zu Generation wirkt Selektion als aktuell formende Kraft. Sei es als bewusste und un-bewusste Selektion auf bevor-zugte Eigenschaften durch die Verantwortlichen in der Zucht oder auch als natürliche Selektion durch stark lebensverkürzende Erkrankungen.

 

 

 

 

Was ist aber besonders am Australian Shepherd über diese vier Persönlichkeitsmer-male hinaus?

 

Was sagt man über „den" Aussie und wie sollen wir diese Aussagen bewer-ten?

 

1. Der Aussie ist ein Hund für Menschen, die sich einen Border Collie nicht zutrauen.

 

 

Mit diesem Satz wird ausgedrückt, dass ein Border Collie anspruchsvoller und schwieriger zu betreuen ist, als ein Australian Shepherd. Diese Aussage verallgemeinert viel zu stark, denn nicht nur die Hunde sind unterschiedlich, die Menschen sind es auch. Prinzipiell ist in Bezug auf die Auslösbarkeit des Hetzens von Wild der Australian Shepherd ganz sicher kein „abgeschwächter" Border Collie! Aussies machen relativ oft Pro-bleme wegen unerwünschten Hetzverhal-tens. Im Gegensatz zu Border Collies dauert das sogenannte Blickfixieren bei den Aussies nicht so lange, so dass sie schneller ins Hetzen kommen. Außerdem ist das Verhalten von Aussies nicht so leicht zu hemmen, wie das von Border Collies.

 

 

 

 

In beiden Rassen gibt es die Tendenz, Alltagssituationen als bedrohlich zu bewerten und mit Angstverhalten zu reagieren. Bei Border Collies kommt häufiger deutliches Fluchtverhalten vor, bei Australian Shepherds drückt sich Angst weniger in Fluchtverhalten, sondern mehr in Lautäußerungen aus. Insgesamt aber reagieren Border Collies häufiger ängstlich auf Knallgeräusche und Gewitter als Australian Shepherds.

 

Viele der Angst- und Aggressionspro-bleme sind hausgemacht durch falsch verstandene Sozialisierung um jeden Preis und Erziehungsmethoden, die zu sehr auf die Hemmung unerwünschten Verhaltens fokussieren. Dies gilt für beide Rassen gleichermaßen.

 

 

 

Aussies bellen!

 

Im Gegensatz zu Border Collies kann das Bellverhalten eines Aussies eine große Herausforde-rung sein; die Einschränkung dieses Verhaltens erfordert einen Menschen mit viel Fingerspitzengefühl für das Befinden seines Hundes. Ein Aussie ist sicher kein Übungsobjekt für Leute, die lieber mit einem Border Collie leben möchten. Zu unterschiedlich sind die Herausforderun-gen, vor die beide Hundetypen ihren Menschen stellen.

 

 

 

 

Aussies sind keine zweitklassigen Übungsobjekte für den zukünf-tigen Border Collie-Halter! Es gibt keine Hunde für Anfänger und Hunde für Fortgeschrittene. Es gibt Menschen, die Fachkennt-nisse nicht nur annehmen, son-dern auch in ihren Alltag mit Hund integrieren. Oder es bleiben lassen. Letztere werden mit den verschiedensten Hundetypen Probleme erzeugen können!

 

 

 

 

2. Der Aussie ist ein Hund, der gerne mit seinen Menschen aktiv ist.

 

 

Der Aussie möchte überall mit hingehen.

 

Aussies reagieren, wie viele andere Hunde auch, auf Aktivität ihrer Menschen. Bewegung sagt immer vor-her, dass etwas passiert. Dies kann sehr leicht dazu führen, dass der Hund während seiner Ruhephasen zu oft unter-brochen wird. Oder die Bezugspersonen gewinnen den Eindruck, dass ihr Hund nicht ausreichend ausgelastet sei und noch mehr Bewegung und Beschäftigung brauche.

 

Das Problem der Unruhe im Haus tritt auf, weil der Aussie als leicht aktivier-barer Hund auch während seiner Liege-zeiten auf Bewegungen in seinem Umfeld reagiert, sie nicht nur beobachtet, sondern auch aufsteht und Interaktion erwartet.

 

 

 

 

Wie viel Ruhezeit braucht ein Hund?

 

Hunde, auch wenn sie unter sehr unterschied-lichen Bedingungen leben, liegen zum größten Teil ihrer Lebenszeit. Liegen bedeutet nicht, dass die Hunde auch schlafen. Im Liegen beobachten sie ihr Umfeld, dösen vor sich hin, fallen in einen leichten Schlaf und in kurze Sequenzen REM Schlaf. Während des REM Schlafes können die Vorderbeine bewegt werden, Lautäußerungen und Veränderungen des Atemrhythmus auftreten.

 

Unsere Vorstellung von zeitlich ausgedehnter Aktivität gefolgt von ebenso ausgedehnter Ruhe-zeit überträgt menschliche Aktivitätsmuster auf den Hund – und ist nicht zutreffend. Hunde haben über den Tag verteilt kurze Abschnitte körper-licher Aktivität, immer wieder abgelöst durch Liegezeiten, während derer die Hunde entweder aufmerksam ihr Umfeld beobachten, dösen oder schlafen. Mehrere kürzere Aktivitätseinheiten kommen diesem Muster näher.

 

 

 

Wie alle typischen Hütehunde reagiert auch ein Aussie angeregt durch Bewe-gung in seinem Umfeld. Dies kann durch-aus dazu führen, dass der Hund zu Hause auch und gerade nach einem Spaziergang nicht richtig zur Ruhe kommen kann. Je erregter er noch vom Spaziergang ist, desto leichter ist der Hund wieder zu aktivieren. Abhilfe schafft ein Entspannungsplatz innerhalb der Wohnung, der täglich immer wieder mit entspannenden Tätigkeiten verbunden wird. Dieser sollte zum bevorzugten Ruheplatz des Hundes werden. Über-haupt bildet Entspannungstraining den unerlässlichen Kontrapunkt zu ausge-dehnten, erregenden Aktivitäten wie Ballspielen, Treffen von Hundefreunden und langen Spaziergängen.

 

Aussies haben, wie alle Hunde, Schwierigkeiten mit Zeiten der Trennung von ihren Bezugspersonen. Manche Hunde arrangieren sich gut mit Trennungszeiten und zeigen keinen beobachtbaren Trennungsstress.

 

Für andere Hunde ist dies deutlich schwieriger. Deswegen sollte es nicht sofort als „Aussie-typisch" abgestempelt werden, wenn der Hund aufgeregt,

 

 

 

 

 

„bittend" oder traurig mit zur Tür kommt. „Dabei sein ist alles!" kann ein Symptom für Trennungsstress sein. Trennungs-stress ist für den Hund stark belastend und sollte so schnell wie möglich bearbeitet werden.

 

3. Der Aussie ist ein sehr

 

intelligenter Hund.

 

 

 

Sehr intelligent bedeutet in diesem Zusammenhang, dass schnell gelernt wird. Der Hund verknüpft Situationen und einzelne Reize sehr schnell mit seinen Emotionen. Ein intelligenter Hund lernt zügig, sich so zu verhalten, dass seine Bedürfnisse befriedigt werden. Die Kehr-seite des intelligenten Hundes ist, dass er auch das schnell lernt, was seinem Menschen nicht gefällt. Mehr noch, je intelligenter ein Hund ist, desto schneller findet er heraus, wie er Verbote – abge-sichert durch Strafe – am sichersten umgehen kann. Strafe macht klug! Und je klüger ein Hund ist, desto schneller erkennt er die Unfähigkeit des Menschen, unerwünschtes Verhalten, immer wenn es auftritt, sofort und unter allen Umständen zu strafen.

 

 

 

 

4. Der Aussie ist ein selbstständig denkender Hund.

 

 

Was mag dieser Satz wohl bedeuten? Ein Hund, der nicht selbstständig denkt, wird häufig als „Befehlsempfänger" bezeichnet. Das ist ein Hund, der sofort aus seiner Hundewelt auftaucht, sobald sein Mensch mit den Fingern schnippt.

 

Also ist ein selbstständig denkender Hund einer, dessen Aufmerksamkeit nicht so schnell geteilt werden kann. Ein Hund, der erst einmal „sein Ding" macht, bevor er auf den Menschen reagiert. Ein Hund, der bei der Nasenarbeit den zu den Umweltbedingungen am besten

 

 

 

 

 

 

 

passenden Suchstil wählt – ohne dabei Rücksicht auf Prüfungsordnungen zu nehmen: Nase tief, Nase hoch. Kreiseln, Zick-Zack-Laufen, schnell oder langsam. Der Hund entscheidet, wie er am besten zum Ziel kommt.

 

Ein selbstständig denkender Hund braucht ein sorgfältig gestaltetes Training zur Umorientierung, um sich innerhalb eines kleinen Zeitfensters von der Umwelt ab und der Bezugsperson zuwenden zu können. Einmal abgesehen davon, dass Lernen bei allen Hunden am besten durch Bedürfnisbefriedigung erfolgt, sollte die Bezugsperson eines

 

 

 

Australian Shepherds sich immer wieder fragen: „Was braucht mein Hund in dieser Situation ganz besonders?" Viele Aussies wollen mehr als Kekse und geworfene Bällchen!

 

 

 

 

Es gibt verschiedene Definitionen für „Intelligenz". Bei Hunden spricht man gerne bei den Schnell-Lernern von Intelligenz. Manchmal verblüffen Hunde aber auch durch Lösungswege von Problemen, die wir ihnen vorsetzen. Sie lösen die Aufgabe anders als der Mensch es dachte – und dies beeindruckt Menschen immer wieder.

 

Schnelles Lernen kann dazu führen, dass der Mensch sich von seinem Hund manipuliert fühlt. Der Hund weiß ganz genau, was er tun muss, um für ihn gute Reaktionen zu erzeugen. Es zeugt nicht gerade von der Intelligenz des Menschen, dieses Verhalten negativ zu bewerten oder als Dominanz zu betrachten.

 

 

 

 

5. Der Aussie zeigt häufig territoriales Verhalten.

 

 

Territoriales Verhalten bedeutet, dass ein Hund in seinem Heimbereich – Wohnung und direktes Umfeld wie den Garten und auf angrenzenden Wegen – stärker auf alles, was fremd ist reagiert. Bei einem Hund, der prinzipiell Misstrauen zeigt, wenn ihm Fremdes, vor allem fremde Menschen, begegnet, ist zu erwarten, dass dieses Verhalten im vertrauten Umfeld stärker gezeigt wird. Diesbezüg-lich unterscheidet der Aussie sich nicht von vielen anderen Hunden, die ganz klar zwischen Familie (eigene Gruppe) und Fremden unterscheiden.

 

 

 

Dieses Verhalten gehört zum Grundmuster der  

 

 

 

Tierart Hund! Seit tausenden von Jahren leihen Hunde dem Menschen ihre sensiblen Sinnesorgane und warnen lautstark vor Fremden, so dass die Menschen getrost ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen widmen können. Ja, Warnverhalten muss akustisch sein, damit es die Gruppe tatsächlich entlasten und schützen kann. Der typische Austra-lian Shepherd kümmert sich ausge-sprochen eifrig um seine Gruppe!

 

6. Der Aussie ist sehr bellfreudig.

 

 

 

Viele Australian Shepherds bellen. Am häufigsten bellen sie, wenn sie merken, dass sich im Umfeld irgendetwas bewegt oder kurz bevor sie das Signal für eine Aufgabe bekommen. Sie sind leicht erregbar.

 

Dies ist das passende Thema, um Betti-na Bernhard zu Wort kommen zu lassen:

 

Problematische Verhaltensweisen aus der Perspektive der Bezugsperson

 

 

 

 

„Wir haben einen Australian Shepherd. Ja, er bellt viel. Und: Wir sind damit nicht alleine! Betrachtet man, welche Pro-bleme im Zusammenhang mit dieser Rasse in den Foren des Internets geschildert werden, dann befinden wir uns sogar in guter Gesellschaft.

 

Die Auslöser für sein lautes Verhalten sind vielfältig, und der Wunsch zu Menschen oder Hunden zu gelangen, war dabei das Hauptanliegen unseres Hundes. Von der Reserviertheit Fremden gegenüber, die im Rassestandard des Australian Shepherd festgehalten ist, hat unser Aussie nichts abbekommen, im Gegenteil, er ist Fremden gegenüber geradezu euphorisch aufgeschlossen! Er entspricht damit eher einem Typ, den man auf Grund der Rassebeschreibung nicht erwartet, den es aber innerhalb der Vertreter dieser Rasse durchaus auch gibt!

 

Über die Auslastung unseres Aussies haben wir uns natürlich von Beginn an unsere Gedanken gemacht und mit vielen energiereichen Beschäftigungs-möglichkeiten geliebäugelt. Unser Hund erwies sich allerdings für die klassischen Hundesportarten eher ungeeignet. Er zeigte sich mit jeder Trainingseinheit aufgeregter und reagierte stärker auf Menschen, Hunde und Bewegungsreize, was sich natürlich auch in übermäßigem Bellen äußerte. Durch diese Verände-rungen wurden die sportlichen Pläne schnell an den Nagel gehängt.

 

Sein Verhalten hatte auch Auswirkungen auf unseren Alltag. Die Reaktivität auf visuelle Auslöser verstärkte das Auftreten unerwünschten Jagdverhaltens. So wurden die Schleppleine und unser Hund zu untrennbaren Verbündeten, obwohl der Aussie nicht selten als perfekter Familienhund ohne Jagdtrieb

 

 

angepriesen wird. Das jagdliche Inte-resse unseres Hundes beschränkte sich dabei nicht nur auf jagdbares Wild, er reagierte auch auf Windräder, deren Rotorblätter er hinter einem Hügel vorbei-rauschen sah oder Autos, die in größerer Entfernung vorbeifuhren.

 

Gezieltes Training und angemessene Behandlung einer Schilddrüsenunterfunk-tion, die man leider nicht mehr nur in Einzelfällen mit dieser Rasse in einem Atemzug nennen muss, brachten uns allen enorm viel Lebensqualität zurück. Aggressive Verhaltensweisen, die bei vielen Aussies zum problematischen Verhalten zählen, gehörten bei unserem Rüden glücklicherweise nur in einem engen Rahmen der Ressourcenvertei-digung zum Repertoire.

 

Im Besitz von Futter zeigte er sich nähernden Hunden gegenüber sehr aggressiv. Durch zügig eingesetzte Managementmaßnahmen und Training, konnten wir die gefährlichen Situationen, in denen Ressourcen beteiligt waren, glücklicherweise entschärfen.

 

Gerade Problemverhalten dieser Art, die den Halter eines Australian Shepherds mit seinem Hund in der Gesellschaft unangenehm auffallen lassen, bedeuten für viele Menschen einen hohen Leidens-druck und sie begeben sich auf die Suche nach möglichst schnellen und möglichst sicheren Ergebnissen bei der Bearbeitung dieser Probleme. Ein geschicktes, möglichst nebenwirkungs-armes Vorgehen ist nicht nur, aber gerade bei einer Rasse, die ein solches Reaktionspotential in sich trägt, sehr wichtig."

 

 

 

 

 

Verhalten hat immer eine Funktion (krankhaftes Verhalten ausgenommen). Wenn ein Hund selbstständig sein Verhalten auswählt, obwohl seine Bezugsperson ihm eine Alternative signa-lisiert hat, dann hat das einen Grund, eine Ursache. Diese Ursache besteht meistens darin, dass die vom Menschen gewünschte Alternative für den Hund keine Funktion hat!

 

Vom Menschen gewünschtes Verhalten bekommt für den Hund seine Funktion durch die Konsequenzen. Das Führen einer TopTwenty-Liste ist für jeden Begleiter eines Australian Shepherds hilfreich. Informationen und Anre-gungen zum Training mit einer TopTwenty-Liste finden Sie im EasyDogs Blog:

 

http://www.easy-dogs.net/home/blog/training/nadine_bihn/belohnungsguide/merlins_belohnungsguide.html

 

 

 

Wie viele andere Hunde auch, reagiert ein junger Australian Shepherd auf bedrohliche Umweltrei-ze zunächst mit Meide- und Angstverhalten. Dieses kann durchaus so dezent sein, dass die Bezugspersonen es übersehen. Oder sie igno-rieren es bewusst und zwingen den Hund dazu, in der für ihn bedrohlichen Situation zu bleiben. Daraus kann sich recht schnell Aggressionsver-halten entwickeln. Dies hat nichts mit der Rasse-geschichte zu tun, sondern ist biologisches Überlebensprogramm. Die beste Vorbeugung gegen die Entwicklung aggressiven Verhaltens ist die Verringerung von Angst während der Jugendentwicklung.

 

 

Der Zusammenhang zwischen

 

Erregung und Bellen.

 

 

Aussies sind Hunde, sie können bellen. Bellen kann bei einem Aussie schneller ausgelöst werden als bei vielen anderen Hundetypen, es kann länger anhalten und es kann leicht zu einem bevorzugten Konfliktverhalten werden. Liegt das daran, dass der Australian Shepherd auch für die Arbeit an großen Herden-tieren wie Rindern gezüchtet worden ist? Schauen wir einmal, was Vergil Holland aus dem Ursprungsland der Rasse dazu schreibt:

 

„Bellen kann einem schwachen (im Sinne von eher ängstlich den Tieren gegen-über) Hund dabei helfen, die Schafe in Bewegung zu bringen. In den frühen Stadien des Trainings spiegelt Bellen meist Erregung und Spielverhalten wie-der; dies sollte seltener auftreten, wenn der Hund im Training fortgeschritten ist und sich auf seine Aufgaben konzen-trieren kann.

 

 

 

 

 

 

Die meisten Shelties und Australian Shepherds hören auf zu bellen, sobald sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren."

 

Immer wieder wird betont, dass der Australian Shepherd für die Arbeit an verschiedenen Tieren eingesetzt werden kann – von Enten über verschiedene Schafrassen bis hin zu Rindern. Dies bedeutet, dass ein Aussie eigentlich in der Lage ist, seine Lautäußerungen der Situation anzupassen. Er neigt nicht zum Bellen, weil er auch an Rindern arbeiten kann, sondern er kann auch an Rindern arbeiten, weil er zum Bellen neigt!

 

Die häufigsten auslösenden Situationen für Bellen sind Begrüßungen mit der Bezugsperson, Eintreffen von Besuch, Hütearbeit, Spiel mit der Bezugsperson, Spiel mit anderen Hunden und Training im Hundesport.

 

Aussies sind kooperative Hunde und lernen gerne gemeinsam mit ihrer Bezugs-person. Die freudige Erwartung alleine führt schnell zu einem Anstieg des Erregungslevel zu Beginn von Trainingseinheiten. Das daraus resultierende Bell-verhalten wird doppelt verstärkt:

 

1. Die Beschäftigung beginnt

 

2. Endlich bewegt sich etwas

 

 

 

Das Erregungslevel steigt während der Interaktionen zwischen Hund und Mensch weiter an. Ein Symptom dafür ist – Bellen. Australian Shepherds haben meist einen „langen Bremsweg", sie brauchen länger, um von einem hohen Erregungs-niveau wieder herunter zu kommen. Werden Spiel und befriedigende Interaktionen abgebrochen, weil der Hund zu stark erregt ist, wird diesem Erregungsniveau noch Frustration hinzugefügt. Unter diesen Umständen kann der Hund sich nicht zügig entspannen. Besser ist es, das Erregungsniveau langsam sinken zu lassen. Anstatt die Interaktionen abzubrechen, werden sie im langsameren Tempo und mit weichen Bewegungen ausgeführt. Die Belohnung ist Futter, das auf den Boden gestreut (nicht geworfen!) wird. Zum Schluss kann der Hund dann mit einer Kleinigkeit zum Kauen auf seinen Ruheplatz gebracht werden. Ein solches Ritual führt zu einer immer schnelleren Entspannung und bereitet die Erholungsphase vor.

 

 

 

Aussies haben oft Schwierigkeiten, ihre Lautäußerungen von selbst zu beenden, einzelne Individuen bellen bis zur körper-lichen Erschöpfung. Beschäftigung im Hundesport verändert das Bellverhalten in den alltäglichen Situationen nicht: Aussies, die in einer der typischen Hundesportarten geführt werden, bellen im Alltag nicht mehr und nicht weniger als andere. Eine Ausnahme scheint es aber zu geben: Aussies, die im Frisbee-Sport beschäftigt werden, bellen im Alltag weniger. Eine Erklärung für diese Beobachtung steht noch aus.

 

7. Ein Aussie, der nicht hüten kann, wird Verhaltensstörungen ent- wickeln.

 

Elemente des Hüteverhaltens

 

 

 

Der aufmerksame Beobachter kann beim Australian Shepherd drei Elemente des Hüteverhaltens identifizieren:

 

1. Blickfixieren / Belauern

 

2. Treiben und Hetzen

 

3. Zwicken und Beißen

 

Am häufigsten kommt Blickfixieren vor, das beim Aussie aber körpersprachlich nicht so spektakulär wie beim Border Collie begleitet wird.

 

 

 

 

 

Deswegen bemerken es manche Besitzer gar nicht! Treiben und Hetzen kommen beim Aussie ebenfalls häufig vor und überraschen vor allem die- jenigen, die sich wegen „fehlen-den Jagdtriebes" für einen Hütehund entschieden haben. Seltener treten die Verhaltenselemente Beißen und Zwicken auf. Dieses Verhalten ist unangenehm, weil es als Aggressivität gegenüber Menschen und anderen Hunden inter-pretiert wird. Es ist interessant zu wissen, dass gerade dieses Verhalten bei Hunden, die an der Herde oder aber im Sport arbeiten, häufiger auftritt als bei anderen! Je häufiger die Hunde andere Tiere hüten, desto intensiver zeigen sie Zwicken und Beißen auch in Alltags-situationen. Dies mag eventuell eine Folge des ausgesprochen harschen Trainings bei der Hütearbeit sein.

 

Umgeleitetes (fehlgeleitetes) Hüte-verhalten

 

 

 

Blickfixieren bewegter Objekte kommt bei Australian Shepherds ebenso häufig vor wie bei Border Collies. Es fällt bei den Aussies aber nicht so sehr auf, weil ihnen die extreme Lauerhaltung des Border Collies fehlt. Auch unterbrechen Aussies in aller Regel das Blickfixieren selbst.

 

 

 

Das Blickfixieren tritt sowohl bei Aussies aus Arbeitslinien als auch bei Tieren aus Showlinien auf. Interessant ist, dass das Blickfixieren weniger ausgeprägt ist bei Hunden, die mehrmals in der Woche andere Tiere hüten dürfen.

 

Wildtiere, Kinder, Jogger, Radfahrer und Autos sind Auslöser für Verhalten aus dem Bereich des Hütens. Viele Aussies hetzen Wild und lernen nach einiger Erfahrung auch, dieses auf seinen Spuren zu verfolgen. Australian Shep-herds können zu eifrigen Jägern werden! Jogger und Radfahrer sind dagegen eher selten die Auslöser für Hüteverhalten. Aussies, die Autos verfolgen, leben sehr gefährlich. Zum Glück tritt dieses Ver-halten nur selten auf.

 

Die Abstammung eines Aussies – Arbeitslinie oder Showlinie – scheint in Bezug auf die leichte Auslösbarkeit des Jagdverhaltens keine Rolle zu spielen. Auch die aktuellen Haltungsbedin-gungen, wie die Dauer des Alleine-bleibens, die Anzahl der täglichen Spaziergänge, Training im Hundesport oder Hütearbeit, spielen diesbezüglich keine Rolle.

 

 

 

 

 

 

 

Hüteverhalten an anderen Hunden

 

 

 

Aussies können an anderen Hunden Hüteverhalten zeigen, was häufig mit Zwicken und Kneifen verbunden ist. Die so bedrängten Hunde reagieren ängstlich oder ärgerlich, manche nehmen dieses Verhalten in Kauf und versuchen, Spiel- und Kontaktverhalten aufrechtzuerhalten.

 

Hüteverhalten an anderen Hunden ist problematisch und sollte unterbrochen werden können. Bei der Unterbrechung muss berücksichtigt werden, dass der Aussie sehr frustriert sein wird. Die Belohnung für die Unterbrechung sollte dem Bedürfnis, bewegte Objekte zu be-lauern und schnell oder langsam zu verfolgen, unbedingt Rechnung tragen.

 

Verhaltensstörungen aus dem Bereich zwanghaft wiederholten Verhaltens

 

 

 

Australian Shepherds entwickeln, etwa ebenso häufig wie Border Collies, Verhal-ten, welches sie bis zur Erschöpfung ausführen und das zu körperlichen Schäden führen kann. Dazu gehören beim Aussie das Belecken der Vorder-pfoten, Flankensaugen, Bellen, Kreiseln, Buddeln, Gegenstände belecken, nach imaginären Fliegen schnappen und ins Leere starren.

 

Diese Verhaltensweisen haben ihren Ursprung meist als Konfliktverhalten in für den Hund bedrohlichen, frustrie-renden und allgemein stressenden Situationen: er findet keine Lösung, die seine Bedürfnisse befriedigt. Die beste Vorbeugung besteht darin, den Hund in bedrohlichen und frustrierenden Situa-tionen mit vom Menschen erwünschten Verhaltensstrategien zu versorgen, die Bedrohung und Frustration für den Hund vermindern.

 

Ein Risikofaktor, der die Entwicklung abnormal repetitiven (=unnatürlich häufig wiederholendes) Verhaltens begüns-tigt, ist die Trennungszeit: je länger ein Aussie alleine bleiben muss, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er so ein Verhalten entwickelt.

 

Regelmäßiger Kontakt zu anderen Hunden und häufige Hütearbeit senken dieses Risiko, Betätigung im Hundesport dagegen nicht.

 

Bellen als zwanghaft wiederholtes Verhalten entwickelt sich bei Australian Shepherds sehr leicht aus folgenden Situationen:

 

unklare Kommunikation mit der Bezugsperson. Als Hütehunde nehmen Aussies kleinste Nuancen der unbewussten Körpersprache wahr! Unklare Kommunikation ist beängstigend und frustrierend.

 

Frustration durch Verhaltens-hemmung ohne befriedigendes Ersatzverhalten

 

Hohe Stressbelastung ohne Möglich-keiten der Entspannung

 

 

Zusammenfassend lassen wir an dieser Stelle Fabienne Fust zu ihren Erfah-rungen mit der Rasse Australian Shepherd zu Wort kommen:

 

 

 

 

 

„ütehunde müssen schnell und zuver-lässig auf Unruhen und Bewegungen in der Herde, wie auch auf die Signale des Hirten reagieren. Der Australian Shep-herd muss dementsprechend sensibel, aufmerksam und reaktiv sein, und er kann sehr schnell in eine hohe Erregungslage schießen. Dabei muss er eigenständig arbeiten können und auch vom Menschen gut führbar sein. Ein effizienter Hüter sollte zudem ruhig sein, um nicht seine Herde aufzumischen, nötigenfalls aber sehr schnell angemes-sen reagieren können, sich dann aber auch schnell wieder beruhigen, um nicht unnötige Energie zu verpuffen, da der Hund für die tägliche ausdauernde Arbeit gezüchtet ist. Diese Qualitäten des ursprünglichen Hütehundes schlagen weitgehend auch bei unseren heute häufig in der Familie gehaltenen Aussies noch durch. Allerdings wurde immer mehr auch Richtung Schönheit gezüchtet, wobei die Arbeitseigen-schaften des Australian Shepherds zweit-rangig wurden.

 

 

So wie ich als Aussiebesitzerin und -züchterin den Aussie erlebe, gibt es heute diverse Hundetypen beim Austra-lian Shepherd: Von einerseits etwas ruhigeren Hunden, die dennoch häufig schnell in ein Abwehrverhalten fallen können, bis hin zu den sehr aktiven bis hektischen Rassevertretern, die teilweise ganztags ein sehr hohes Erregungs-niveau zeigen. Für mich ist der „deale" Aussie jener, der im Haus ruhig ist, sich aber leicht aktivieren lässt, wenn es von ihm gewünscht wird, und der dabei nicht zu aufdringlich wird.

 

 

 

Selbstkontrolle und Impulskontrolle sind für einen schnell reagierenden Hund wie den Australian Shepherd sehr anstren-gend und zu viel davon bringt Stress mit sich, da Hunde diesen

 

 

Typs tendenziell schnell frustriert sind.

 

 

 

 

Deshalb fallen viele Aussies in uner-wünschtes Bellverhalten oder auch in Abwehrverhalten (Distanzierungs-aggressionen).

 

Die Sensibilität, die der Australian Shepherd mit sich bringt, birgt die Gefahr, dass viele Rassevertreter ein eher empfindliches Nervenkostüm haben sowie eher unsicher sind. Dies kann sich in sehr aktivem bis hektischem Verhalten äußern, häufig gekoppelt mit einem aus-geprägtem Bellverhalten, oder aber in leicht auslösbarem Angstverhalten. Unter anderem kommt eine Geräusch-empfindlichkeit bei dieser Rasse recht häufig vor.

 

Obwohl viele Aussies freundliche Hunde sind, so hat die Rasse die Tendenz Fremden gegenüber zurückhaltend zu sein. Dies kann wiederum zu stark aus-geprägtem Abwehrverhalten führen.

 

Der Australian Shepherd hat oft eine sehr starke Bindung zu seinen Familien-mitgliedern, ist sehr besitzerbezogen und würde gerne ständig mit dabei sein. Meine Hunde sind meistens da, wo ich bin. Sie sind überaus treue Begleiter.

 

Dazu gezüchtet jeden Tag zu arbeiten, braucht der Australian Shepherd aus-reichend Bewegung und sinnvolle Beschäftigung.

 

Der Aussie gehört zu den „Schnell-lernern" unter den Hunden. Er lernt gut und arbeitet sehr gerne, ist ausgezeich-net durch eine gute „Führigkeit" und ist dabei doch relativ selbstständig. Viel Konsequenz und Ruhe von Seiten der Besitzer sind also gefragt

 

 

Erwünschte Verhaltensweisen können dem Aussie relativ einfach beigebracht werden, aber ebenso zügig lernt er uner-wünschtes Verhalten. Gerade Jagd-verhalten etabliert sich wegen der hohen selbstbelohnenden Komponente sehr häufig und sehr schnell.

 

 

 

 

 

 

 

Verhaltensketten bilden sich dementspre-chend auch leicht. Beispielsweise wissen zwei meiner Hündinnen, dass der Schnellstart beim Anblick von Krähen oft ein Umorientierungs- oder Stoppsignal zur Folge hat, was dann natürlich in hoher Perfektion ausgeführt wird. Schließlich weiß Aussie, dass danach ein tolles Lauerspiel bei der Bezugsperon folgt. Man sollte Freude an mitdenkenden Hunden und ihren Ideen zur Zusammen-arbeit haben!

 

Zum Ausgleich zur Aktivität ist es für den Australian Shepherd sehr wichtig genügend Ruhephasen zu haben. Gerade bei den sehr aktiven Rasse-vertretern ist auf ausreichend Ent-spannung zu achten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Hunde permanent in einem hohem Erregungsni-veau befinden, was sich wiederum nega-tiv auf deren Gesundheit und Verhalten auswirken kann."

 

Gesundheitliche Aspekte

 

 

 

Jeder Hund kann krank werden, auch ein Australian Shepherd. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle lediglich auf zwei gesundheitliche Probleme.

 

 

1. Die Populationen des Australian Shepherds sind weltweit betroffen durch einen Gendefekt, den MDR-Gendefekt. Jeder Aussie und jeder Mischling, in dem ein Aussie oder ein Vertreter der britischen Hütehunde vermutet oder durch DNA-Test bestätigt ist, sollte auf den Gendefekt untersucht werden.

 

 

 

Ausführliche Information zu diesem lebensbedrohlichen Defekt findet man hier:

 

 

 

http://www.vetmed.uni-giessen.de/pharmtox/mdr1_defekt.php

 

 

 

Weitere Krankheiten, die beim Australian Shepherd auftreten können sind:

 

Katarakt (= erbliche Augenkrankheit), CEA (=Collie Eye Anomaly, Erbkrank-heit, bei der es zu Veränderungen der Netzhaut des Auges kommt), Hüft-gelenksdysplasie (Fehlstellungen und degenerative Prozesse im Hüftgelenk), Epilepsie (=Krampfanfälle) sowie die Schilddrüsenunterfunktion.

 

2. Das Fell

 

 

 

In seinem Ursprung als Arbeitshund hatte der Aussie ein doppeltes Fell mit s chützendem Deckhaar und isolierender Unterwolle. Diese isolierende Schicht darf gerade bei einem körperlich sehr aktiven Hund nicht übermäßig dicht sein! Eine zu gute Isolierung verhindert die Abgabe der Körperwärme über die Ober-fläche. Deswegen entsprechen die Aussies, die aussehen wie laufende Plüschbälle, keineswegs dem Typ des Arbeitshundes. Bei höheren Tempera-turen ist es sinnvoll, einen Aussie mit dicker Unterwolle zu scheren! Es wächst ja wieder nach…

 

Ja, das Fell mag den einen oder anderen Interessenten abschrecken. Gibt es einen Kurzhaar-Aussie?

 

Wie ähnlich ist der kurzhaarige, echte Australier, der Australian Cattle Dog, dem Australian Shepherd?

 

 

 

Bettina Bernhardt erklärt uns dazu:

 

„Anders als beim Australian Shepherd handelt es sich beim Australian Cattle Dog, kurz ACD genannt, um einen waschechten Australier. Sein Erschei-nungsbild ist etwas kleinrahmiger mit kurzem, vergleichsweise hartem Fell, Stehohren und derbem Körperbau. Die Grundfarben seines Fells sind Rot oder Blau. Zulässig sind gemäß Rasse-standard rot gesprenkelt, blau, blau gesprenkelt oder blau getüpfelt mit unter-schiedlich möglichen Abzeichen am

 

 

 

 

Kopf. Bei roten Hunden sind auch Flecken am Körper zulässig, welche aber bei beiden Farbvarianten nicht erwünscht sind. Beim Australian Cattle Dog gibt es kein Merle-Gen. Seine Farbe basiert auf Scheckung und Tüpfelung.

 

Bei beiden besteht, wie bei allen Rassen, eine Variabilität in der Bandbreite der Ausprägung ihres Aussehens und ihrer Wesenseigenschaften. Der „typische" Australian Cattle Dog unterscheidet sich dabei nicht gravierend vom Australian Shepherd, ist in den meisten Bereichen allerdings noch intensiver.

 

 

Die Erregungskurve des Australiers kann explosionsartig ansteigen, er lernt, entscheidet und bewegt sich in einer enormen Geschwindigkeit, ist körperlich und mental auf plötzliche Bewegungen ausgerichtet. Als Hundehalter sollte man deshalb beispielsweise einen Ball zum Wohle seines Tieres immer voraus-schauend werfen, der Cattle Dog nimmt kompromisslos den schnellsten und kürzesten Weg zu seinem Ziel und ist dabei hart im Nehmen!

 

 

Auf das Verhalten seiner Menschen reagiert er aber, wie der Aussie auch, sehr sensibel.

 

Der ACD ist nicht als Kläffer bekannt, ist er jedoch übermäßig erregt oder ist sein Mensch ihm zu langsam oder unklar, dann hört man ein Bellen dessen schrille Tonlage sprichwörtlich für ihn ist.

 

Er demonstriert noch ausgeprägter als der Aussie durch das für ihn typische „Heelen", also den Biss in die Fersen, Durchsetzungsvermögen und Härte bei seiner Arbeit am wehrhaften Vieh. Das Erbe dieses Arbeitsstils zeigt sich im oftmals gezielten Einsatz der Zähne. Das Heelen bei Radfahrern, Joggern oder anderen bewegten Objekten tritt häufig erregungsbedingt bereits bei jungen Cattle Dogs auf. Auf Grund dessen und auf Grund seines beachtlichen Erregungsverlaufes wird der ACD im Vergleich zum Aussie zuweilen als aggressiver gegenüber Artgenossen und Menschen beschrieben.

 

Beim Training ist eine harte Hand weder notwendig noch zielführend. Allzu schnell ergibt sich aus der unangebrachten Grobheit des Menschen und der wehr-haften, außerordentlichen Schnelligkeit des ACD eine unschöne und vor allem sinnlose Gewaltspirale.

 

Ein besserer Ansatzpunkt für das Training mit diesen Hunden sind ihre Eigenschaften, die beiden Rassen gemein sind: Sie sind sehr intelligent, können Zusammenhänge schnell verknüpfen, sind leicht motivierbar und arbeiten gerne mit ihrem Menschen zusammen."

 

 

 

 

 

Resumee - Auch im Paradies gibt es Schatten

 

 

 

Ein Australian Shepherd kann ein wunderbarer Begleiter im Alltag, im Sport und bei vielfältigen Beschäftigungsmög-lichkeiten sein. Verfolgen von Wild und leichte Auslösbarkeit von Bellverhalten gehören zum Australian Shepherd unab-hängig von seiner Abstammung aus Arbeits- oder Showlinien und unabhängig von den allgemeinen Haltungsbedingun-gen. Jagen und Bellen, darauf sollte sich ein Interessent für einen Hund aus dieser Rasse einstellen.

 

Ich würde nicht viel Zeit damit ver-bringen, über die Unterschiede zwischen Show- und Arbeitslinien nachzudenken. Wichtiger sind Informationen über die Elterntiere und ihrer direkten Verwandt-schaft. Unabhängig von der Herkunft des Hundes, Welpe oder älterer Second Hand Hund, sollte folgenden Punkten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden:

 

 

1. Verhalten beruht auf Genetik, Erfahrung und aktuellen Umwelt-

 

bedingungen. Von diesen

 

drei können wir nur die

 

Umweltbedingungen für

 

den Hund gestalten.

 

 

 

 

 

 

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Manche Aussies verteidigen nicht nur, was sie haben, sondern auch Dinge, mit denen sich andere Hunde gerade beschäftigen. Sie nehmen anderen Hunden das Spielzeug aus dem Maul - und lassen es dann liegen.

 

Viele Hundebesitzer sind nicht in der Lage, Anspannung über einer Ressource zu erkennen. Einfrieren, Abducken über der Ressource und schneller fressen sind deutliche Indikatoren für ressourcen-verteidigendes Verhalten. Werden diese frühen Anzeichen bemerkt, ist das Training sehr einfach. Die Verteidigung von Ressourcen sollte keinesfalls bestraft werden! Strafe verschlimmert in vielen Fällen, weil der Hund jetzt nicht nur seine Ressource, sondern auch sich selber verteidigen muss. Bei einem so schnell reagierenden Hund wie einem Aussie ist die Schwelle zum Schnappen und Beißen sehr schnell überschritten.

 

Verteidigt ein Aussie während des Spazierganges Spielzeug, die Futter-tasche und die Bezugsperson, liegt es nahe, die Auslöser einfach nicht mehr mitzunehmen: Futter und Spielzeug blei-ben zu Hause. Diese Lösung nimmt nicht nur Freude am gemeinsamen Tun, sondern führt auch dazu, dass der Aus-sie draußen Ressourcen „erfindet", die er gegen Artgenossen verteidigen kann: Stöckchen, Mauselöcher, seine Schlepp-leine, Tierkot. Die beste Strategie ist, direkt an den Ressourcen des Hundes an einer Verhaltensveränderung zu arbeiten.

 

 

4. Jagdverhalten kann unterdrückt werden. Dies hat aber die Neben-wirkung, dass der Hund extrem frust-riert wird. Aussies sind nicht gerade begabt im Verkraften von Frustration. Besser ist es, die Elemente des Jagd-verhaltens zu kanalisieren. Daraus resul-tiert eine hervorragende Impulskontrolle bei weniger Frustration.

 

 

 

 

2. Angstverhalten sollte nicht ignoriert werden, sondern durch Alternativ-verhalten ersetzt werden. Die Alter-nativen werden am effektivsten mit Distanz zur Bedrohung belohnt.

 

 

 

3. Aggressionsverhalten tritt bei Australian Shepherds am häufigsten im Zusammenhang mit Ressourcen auf. Hunde konkurrieren oft um Ressourcen. Dies können Ressourcen im engeren Sinne sein, z.B. Futter, Kauspielzeug und der bevorzugte Liege-platz. Die Verteidigung von Futter kann sich schnell ausweiten auf Gegenstände, in denen sich das Futter befindet, Orte, an denen der Hund gefüttert wird und Gegenstände, die im Training mit Beloh-nungen verknüpft worden sind.

 

Näpfe

 

Futterbälle

 

Vorratsraum

 

Garderobe: Jacke mit Leckerchen

 

Targets

 

Kennel

 

 

Bezugspersonen als "Super-Ressource"

 

Manche Aussies verteidigen nicht nur, was sie haben, sondern auch Dinge, mit denen sich andere Hunde gerade beschäftigen. Sie nehmen anderen Hunden das Spielzeug aus dem Maul - und lassen es dann liegen.

 

Viele Hundebesitzer sind nicht in der Lage, Anspannung über einer Ressource zu erkennen. Einfrieren, Abducken über der Ressource und schneller fressen sind deutliche Indikatoren für ressourcen-verteidigendes Verhalten. Werden diese frühen Anzeichen bemerkt, ist das Training sehr einfach. Die Verteidigung von Ressourcen sollte keinesfalls bestraft werden! Strafe verschlimmert in vielen Fällen, weil der Hund jetzt nicht nur seine Ressource, sondern auch sich selber verteidigen muss. Bei einem so schnell reagierenden Hund wie einem Aussie ist die Schwelle zum Schnappen und Beißen sehr schnell überschritten.

 

Verteidigt ein Aussie während des Spazierganges Spielzeug, die Futter-tasche und die Bezugsperson, liegt es nahe, die Auslöser einfach nicht mehr mitzunehmen: Futter und Spielzeug blei-ben zu Hause. Diese Lösung nimmt nicht nur Freude am gemeinsamen Tun, sondern führt auch dazu, dass der Aus-sie draußen Ressourcen „erfindet", die er gegen Artgenossen verteidigen kann: Stöckchen, Mauselöcher, seine Schlepp-leine, Tierkot. Die beste Strategie ist, direkt an den Ressourcen des Hundes an einer Verhaltensveränderung zu arbeiten.

 

4. Jagdverhalten kann unterdrückt werden. Dies hat aber die Neben-wirkung, dass der Hund extrem frust-riert wird.

Aussies sind nicht gerade begabt im Verkraften von Frustration. Besser ist es, die Elemente des Jagd-verhaltens zu kanalisieren. Daraus resul-tiert eine hervorragende Impulskontrolle bei weniger Frustration.

 

 

 

 

5. Aussies sind leicht erregbare Hunde. Das Gegenstück zur Erregung ist Entspannung! Anstatt also erregende Aktivitäten wie Ballspielen oder Agility prinzipiell zu vermeiden, sollten solche Aktivitäten dosiert und in Verbindung mit Entspannungs-training angeboten werden.

 

6. Je vielfältiger die Belohnungsmög-lichkeiten aufgebaut werden, desto motivierter wird der Aussie auf die Signale seiner Bezugsperson reagieren.

 

 

7. Langeweile ist ein nicht zu unter-schätzender Stressor! Es gibt viele schöne Möglichkeiten, etwas mit einem Aussie zu unternehmen. Natür-lich gehören auch Aufgaben aus dem Bereich der Sucharbeit dazu. Dabei gibt es aber eines zu bedenken: der Aussie als typischer Vertreter der Hütehunde orientiert sich beim Suchen am liebsten mit seinen Augen! Dies sollte nicht „ausgetrickst", sondern berücksichtigt werden. Viele Suchaufgaben lassen sich für „Augenhunde" anpassen.

 

 

 

8. Je mehr aktivierenden Reizen ein Aussie ausgesetzt wird, desto frust-rierter wird er werden, wenn das aus-gelöste Verhalten verhindert wird: Leine, Abbruchsignale, Strafen und häufiges Abfragen anderer Verhaltens-reaktionen erschweren und verhindern das eigentlich ausgelöste Verhalten. Dies ist für den Hund stressend, anstrengend und frustrierend. Frustration zieht sehr oft Gereiztheit und aggressives Verhalten nach sich. Deswegen sollte die Dauer der Spaziergänge nicht absolut in Minuten angegeben werden, sondern der Häufigkeit von auslösenden Reizen angepasst werden: je reizvoller in diesem Sinne ein Spaziergang ist, desto kürzer sollte er sein.

 

9. Ein Aussie muss nicht unbedingt die Gelegenheit zur Hütearbeit haben, um gesund und ausgelastet zu sein. Entscheidend ist vielmehr, dass alle Elemente des Hüteverhaltens – und nicht nur das Hetzverhalten – gezielt und re-gelmäßig ausgeübt werden können. Dies ist an Spielzeug und anderen bewegten Objekten durchaus möglich.

 

 

 

10. Die Balance zwischen Erregung und Entspannung, Reduktion von Angst und Frustration, Abfragen der Elemente des Hüteverhaltens, moderate und vor allem sorgfältig aufgebaute Trennungszeiten, positive Kontakte zu anderen Hunden und vielfältige Belohnung erwünschten Verhaltens tragen dazu bei, aggres-sives Verhalten und schwerwiegende Verhaltensstörungen zu verhindern.

 

 

11. Blickfixieren zeigen Aussies in Erwartung einer Bewegung des beobachteten Tieres/Objektes. Das weit verbreitete Umorientieren des Hundes zur Bezugsperson erfordert extrem viel Impulskontrolle und ist frust-rierend. Leichter zu trainieren, typgerecht und weniger stressend sind dagegen Hinschauen und Stehenbleiben. Mehr noch, nach dem Blickfixieren kann durch langsame oder auch schnellere Bewegungen eines Ersatzobjektes die befriedigende Konsequenz des Fixierens nachgeahmt werden. Lauerübungen sind zentraler Bestandteil des Trainings-repertoires für Aussies, die als Familien-hunde leben.

 

Den Australian Shepherd gibt es auch in klein. Mini-Aussie und Toy-Aussie

 

erfreuen sich einer steigenden Beliebt-heit.

 

 

 

Natürlich sind kleinere Hunde erst einmal leichter und daher auch leichter zu hand-haben. Vom Verhalten her sind diese Varianten allerdings nicht kleiner! Sie verhalten sich im Prinzip wie die größeren Vertreter ihrer Rasse. Zusätz-lich aber erleben Mini- und Toy-Aussie ihre Welt aus der Perspektive des kleine-ren Hundes: sie werden leichter durch für sie bedrohliche Situationen geschleift, sie kommen als Junghunde in Spielgruppen mit deutlich größeren Hunden schnell „unter die Räder" und erleben Begeg-nungen mit fremden Hunden und Menschen wegen des Größenunterschie-des bedrohlicher. Kümmert sich die Bezugsperson nicht um diese Perspek-tive des kleinen Hundes, so sind Angst- und Aggressionsprobleme vor- programmiert.

 

Ein Australian Shepherd, egal ob groß oder klein, verbessert die Fähigkeiten seines Menschen, Hunde zu beobach-ten, ihre Bedürfnisse zu erkennen und auf Verhalten schnell und kooperativ zu reagieren. Wer gerne mit und von seinem Hund lernt, wird mit einem Aussie leicht glücklich werden.

 

 

 

 

Zitierte Quellen:

 

Holland, V. S. Herding Dogs: Progressive Training (Howell Book House, 1994).

 

Libby, T. The Australian Shepherd (Terra-Nova Series) (Tfh Pubns Inc, 2007).

 

Meermann, S. Untersuchung von Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden der Rassen Border Collie und Australian Shepherd in Deutschland. deposit.ddb.de (2009).

 

Svartberg, K. Breed-typical behaviour in dogsHistorical remnants or recent constructs? Applied Animal Behaviour Science 96, 293-313 (2006).